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Kein Geschäft mehr ohne die Weser

Eigner und Vorstand der Maschinenfabrik Richter
Axel Richter
Eigner und Vorstand der Maschinenfabrik Richter

Der Wasserweg Oberweser stellt sich für die Maschinenfabrik Richter als Idealfall heraus. Im engen Schulterschluss mit den Behörden wurde im vergangenen Jahr die vor 30 Jahren aufgegebene Binnenschifffahrtsroute im Herzen Deutschlands neu belebt – zum Nutzen von Unternehmen, Wirtschaft, Land, Touristik, Naturschutz und ohne Alternative über andere Verkehrsträger, wie Axel Richter, Eigner und Vorstand des Unternehmens, »Binnenschifffahrt« gegenüber versichert.

Binnenschifffahrt: Für Ab- und Antransport der Waren zum Standort Ihres Unternehmens in Hessisch-Lichtenau stellt sich das Vorhandensein des Flusses Weser als Idealfall dar. War das schon immer so, oder welche Entwicklung war nötig, damit die Anbindung so hergestellt werden konnte, wie es sie heute gibt?

Richter: Der Bedarfsfall Wasserweg hat sich für unser Unternehmen erst in den letzten Jahren verstärkt ergeben. Wir haben zwar schon seit 1986 kontinuierlich mit der Fertigung von großen schweren Maschinen- und Anlagenbaugruppen zu tun, allerdings sind zum einen mittlerweile die Bauteilgewichte auf Grund der Marktanforderung von ehemals maximal 120 t auf bis zu 300 t gestiegen.
Zum anderen ist dem entgegenwirkend die Tragfähigkeit der Brücken im deutschen Verkehrswegenetz von den Genehmigungsbehörden für Schwertransporte mehr und mehr nach unten korrigiert worden.
Die Reduzierung der Brückentragfähigkeiten beruht ganz einfach auf dem Alterungsprozess dieser Bauwerke, und dem könnte man eigentlich nur durch umfangreiche Sanierungsarbeiten entgegenwirken. Offensichtlich lässt sich das mit öffentlichen Mitteln nicht so ohne weiteres realisieren.
In den zurückliegenden Jahren war es noch möglich, Bauteile mit 180 t Stückgewicht von Hessisch Lichtenau nach Hanau oder Frankfurt/Osthafen auf der Straße zu transportieren. Dies war in 2008 schon nicht mehr durchführbar.
Der Schienenweg ist für unsere Schwertransporte auch keine echte Alternative, da unsere Schwerteile meistens auch mit Überbreiten auf den Weg zu bringen sind, und dieser Zusatzanspruch kann von der Bahn nicht abgedeckt werden.
Aus all diesen Gründen blieb uns nur die Chance, so dicht wie möglich an eine Wasserstraße zu kommen. Wir hätten entweder unser Unternehmen umsiedeln müssen, eine kaum zu realisierende Variante, oder wir mussten eine bereits vor 30 Jahren aufgegebene Binnenschifffahrtsroute wiederbeleben, was uns mit der Weser Gott sei Dank gelungen ist. Kostenüberlegungen spielten bei der Entscheidung für den Wasserweg nie eine Rolle, denn einschließlich der notwendigen Kranumladung ist der Schiffstransport gegenüber der Straße erheblich teurer.

Binnenschifffahrt: Einem anderen großen Industrieunternehmen stellen sich immer wieder vor allem Gegner von Seiten der Naturschutzverbände in den Weg, wenn es darum geht, die Ems von Papenburg zur Nordsee zu nutzen. Welche Widerstände aus Ihrer Sicht waren für die Anbindung des Flusses Weser an den Bedarf Ihres Unternehmens zu überwinden oder sind noch zu überwinden und mit welcher Begründung begegnen Sie diesen?

Richter: Eigentlich gab es gegen unsere Entscheidung, die Schwerlasttransporte auf die Weser zu geben, erst einmal überhaupt keine Gegner. Im Gegenteil war es so, dass wir von Anfang an auf sehr viel positives Interesse gestoßen sind, und sich die Bürger von Hannoversch Münden eher an dem sich bietenden Schauspiel der Umladung solcher Riesenbauteile begeistert haben. Erst mit der Absenkung des Edersee- Wasserspiegels gab es dann negative Beurteilungen aus dem Bereich des Edersee- Fremdenverkehrs, jedoch nie von Seiten der Naturschutzverbände; denn hier entlasten wir die Umwelt ja eher, als dass wir sie zusätzlich belasten würden.

Binnenschifffahrt: Mit den Schubleichter- Verbänden umgehen Sie vor allem im Sommer die Notwendigkeit, zu viel Wasser aus dem Edersee in Anspruch nehmen zu müssen. Warum wird dieses Modell erst jetzt in Anwendung gebracht und welche Hindernisse hat es früher gegeben, so dass man nur auf die Welle aus dem Edersee angewiesen war?

Richter: Als wir als Schifffahrtsneuling die Oberweserfrachtschifffahrt nach 30 Jahren aus der Not heraus wieder ins Leben gerufen haben, weil der Straßentransport keine Alternative mehr war, haben wir, aber auch all die ortsansässigen Fachleute die Brisanz, was den Edersee angeht, so nicht absehen können. Wir hatten das Pech, dass 2008 auch gleich ein ausgesprochen trockenes Jahr wurde; denn so blieb allen Beteiligten überhaupt nicht die nötige Zeit, sich nach den bestmöglich geeigneten Wasser-Transportmitteln rechtzeitig umzusehen. Für 2009 sind die Weichen gestellt, und die Schubleichterkapazität ist von unserer Seite aus gesichert, so dass der zusätzliche Wasserablass als erledigt zu betrachten ist.

Binnenschifffahrt: Ist der Schubleichterverband auf Dauer ein Ersatz für einen Ausbau der Weser, oder welche Wünsche haben Sie diesbezüglich an die Bundesregierung in Berlin mit welcher Begründung?

Richter: Selbstverständlich wäre es die Ideallösung, wenn die Weser so ausgebaut würde, dass sie auch mit normalen Binnenschiffen befahrbar wäre. Allerdings denken wir da auch realistisch, dass dies sich eigentlich von den Kosten her aktuell nicht tragen kann. Wenn es gelingen würde, eine größere Anzahl von Unternehmen in Nordhessen, Südniedersachsen und Ostthüringen in ein Transportkonzept »Oberweserfrachtschifffahrt« mit einzubeziehen, wäre damit die Ausgangssituation natürlich entscheidend verbessert. Wir wissen, dass die Stadt Hannoversch Münden für ein solches Konzept bereits wirbt, und sehen der weiteren Entwicklung insofern gespannt entgegen.

Binnenschifffahrt: Wir danken Ihnen für das Gespräch.

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Quelle: Binnenschifffahrt – ZfB – Nr. 1/2 – 2009


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Aktualisiert am 09.09.2010